Verkaufsagenten aller Staplerhersteller loben Sie in den höchsten Tönen:
Drehstromantriebe
Es gibt fast nichts, was sie angeblich nicht besser könnten als Gleichstromantriebe. Aber was steckt dahinter ?

Verkaufsargumente unter die Lupe genommen, was kommt möglicherweise auf die Kunden zu ?

Lassen Sie sich nicht auf den Arm nehmen und konfrontieren Sie den Verkäufer einmal mit ein paar Tatsachen...
Argument Nr.1: Drehstromantriebe sind leistungsstärker...
Argument Nr.2: Drehstromantriebe haben einen besseren Wirkungsgrad...
Argument Nr.3: Drehstromantriebe sind leichter...
Argument Nr.4: Drehstromantriebe sind einfacher im Aufbau und preiswerter...
Argument Nr.5: Drehstromantriebe sind gekapselt und Wasserdicht...
Argument Nr. 6: Drehstromantriebe sind Wartungsfrei...
Argument Nr. 7: Drehstromantriebe sparen Energie...
Argument Nr. 8: Die moderne Steuerungstechnik...
Fazit:                Nicht nur eine Modeerscheinung...
 
Argument Nr.1: Drehstromantriebe sind leistungsstärker...
Haben Sie es nicht auch höchstpersönlich verglichen ?
Und war der Drehstromstapler nicht viel Durchzugsstärker als der Gleichströmer ?
Zauberei ? Supermotore ? Nein ! Denn um dies zu erreichen werden in die Drehstromstapler bis zu 30% stärkere Motoren eingebaut.
Das ist etwa so, als liesse man Sie einen 60PS Benziner mit einem 80PS Diesel vergleichen.
Vergleichen Sie die Leistungsangabe der Motoren einmal. Und zwar, weil auch da geschummelt wird, die Dauerleistung (100%ED).
Hier also kein Punkt, sondern ein Verkaufsargument.
  nach oben
Argument Nr.2: Drehstromantriebe haben einen besseren Wirkungsgrad...
Wer diese Behauptung in die Welt gesetzt hat, verdient den Nobelpreis. Kaum eine Behauptung ist öfter ungeprüft von der Presse übernommen werden. Dadurch wird sie allerdings nicht richtiger. Drehstrom-Asynchronmotoren haben einen Wirkungsgrad von 80%-90%. Da kann ein guter Gleichstrommotor locker mithalten.
Selbstverständlich kann man den schlechtesten zu findenden Gleichstrommotor mit dem besten Drehstrommotor vergleichen und daraus einen Vorteil konstruieren. Dies könnte man aber umgekehrt genauso. Also:
Nicht einmal ein Verkaufsargument, sondern schlicht Unsinn.
 
Argument Nr.3: Drehstromantriebe sind leichter...
Dies ist in einigen Einsatzfällen tatsächlich der Fall. Freuen Sie sich also auf 2kg Gewichtsersparnis in einem 500kg schweren Niederhubwagen.
Verkaufsargument auf wackeligen Beinen.
  nach oben
Argument Nr.4: Drehstromantriebe sind einfacher im Aufbau und preiswerter...
Endlich mal eine Teilwahrheit.
Tatsächlich ist der Drehstrom-Asynchronmotor sehr einfach im Aufbau. Der Läufer besteht nicht aus Wicklungen, sondern aus einem Plattenpaket, es gibt keinen Kommutator und keine Kohlebürsten.
Ob ein Motor allerdings preiswerter als ein anderer wird, hängt ausschliesslich von der Stückzahl ab, in der er produziert wird. Das ist auch der Grund, warum Drehstromstapler jetzt etwa das Preisniveau von Gleichstromgeräten erreichen.
Manche Verkäufer behaupten tatsächlich, Drehstrommotoren seien günstiger, weil man auf preiswerte Industriemotoren zurückgreifen könne ! Haben Sie schon einmal einen 24V oder 80V Drehstrom-Industriemotor gesehen ? (Ok, gibt es: Als sehr teuere Stellmotoren für CNC-Maschinen)
 
Argument Nr.5: Drehstromantriebe sind gekapselt und Wasserdicht...
Sind sie?
Schauen Sie lieber nach.
Gekapselte Drehstrommotore sind natürlich möglich. Aber genau wie bei den entsprechenden Gleichstrommotoren hängt es davon ab ob sie ausreichend dimensioniert sind, oder einen Lüfter benötigen, der zur Kühlung Luft, Staub und Schmutz in den Motor bläst.
Hier ist die Überdimensionierung (Argument Nr.1 ) tatsächlich sinnvoll, wenn sie zu geschlossenen Systemen führt. Das ist zweifellos wünschenswert, aber leider unabhängig von der Antriebsart...
Ein weiterer Vorteil für den Service: Wenn sich die Dichtung zum Getriebe auflöst, und das Getriebeöl in den Motor fliesst, bilden sich keine hässlichen Pfützen mehr unter dem Stapler.
Ein echter Vorteil des Drehstömers: Er bildet in diesem Fall wenigstens keinen Kohle-Ölschlamm, der die Schleifkohlen verklebt.
  nach oben
Argument Nr. 6: Drehstromantriebe sind Wartungsfrei...
Na endlich !
Zumindest was den Motor angeht, das Argument für den Drehstrommotor.
Keine Kohlen, kein Staub, keine Brandgefahr.
Auf den Besitzer eines Gleichstrommotors kommt, bei ordentlich dimensioniertem Motor alle ca 5000 - bis 10000 Betriebsstunden ein Kohlenwechsel zu. "Wegwerf"-Pumpenmotore oder unterdimensionierte Motore erreichen auch deutlich weniger.
Wenn die elektronische Steuerung des Drehströmers also länger hält, eine deutliche Ersparnis. Wenn man, wie gesagt, Glück hat.
 
Argument Nr. 7: Drehstromantriebe sparen Energie...
Hier können wir es wieder kurz machen:
Stärkere Motoren führen zu höherem Energieverbrauch. Das ist Fakt. Vergleichen Siedie Prospektdaten daraufhin, wenn Sie die Auswahl zwischen den Systemen haben.
Auch das "Wirkungsgrad-Argument" zieht hier nicht. Gleicher Wirkungsgrad - Gleicher Energieverbrauch (bei gleicher Leistung).
  nach oben
Argument Nr. 8: Die moderne Steuerungstechnik...
Die brauchen wir beim Drehstrommotor auch.
Aber holen wir hier etwas weiter aus. Wir vergleichen zunächst die Drehmomentkennlinien:

Der Gleichstrom-Reihenschlussmotor
hat eine steil abfallende Kennlinie. Das heisst: Bei niedriger Drehzahl ist das Drehmoment am grössten, bei hoher Drehzahl am niedrigsten. Belastet man einen solchen Motor, so verringert sich die Drehzahl, das Drehmoment erhöht sich.
Dieser Motor regelt sich praktisch selbst.

Der Gleichstrom-Nebenschlussmotor
hat eine flache Kennlinie. Sein Drehmoment ist über den Drehzahlbereich stabil. Durch Beeinflussung des Erregerstroms kann man seinVerhalten anpassen, Die Drehrichtungsumkehr wird, da preiswerter, ohne Schütze realisierbar.

Der Drehstrom Asynchronmotor
hat eine Parabelförmige Kennlinie. Belastet man ihn, bleibt die Drehzahl zunächst stabil, bei Belastung über das "Kippmoment" hinaus bleibt er stehen. Seine Drehzahl ist ausschliesslich abhängig von der Frequenz der erzeugten dreiphasigen Wechselspannung.

Wir sehen schon jetzt:
Der Betrieb eines Drehstrommotors im Staplerbetrieb setzt eine sehr aufwändige Regelungstechnik voraus. Alle Parameter müssen ständig überwacht und korrigiert werden.

Aber vergleichen wir einmal den Steuerungsaufwand .Der Einfachheit halber beschränken wir uns dabei auf den Antriebsfall:

Gleichstrom-Reihenschlussmotor:
Ihn kann man zur Not auch über eine Widerstandskaskade betreiben. Bei Deichselameisen auch heute noch eine Überlegung wert. Einfachste Technik, billige (!) Bauteile. Schnelle Diagnose und Reparatur meistens mit "Bordmitteln", zumindest vorübergehend möglich.
Elektronische MOSFET - Steuerung: Sehr einfach aufgebaut, Taktgeber, einfaches Leisungsteil.
Beim Pumpenantrieb reicht, wenn Propventile oder Handhebelventile vorhanden sind, ein einfaches Ein-Aus-Schütz !
Fehlerdiagnose mit einfachen Mitteln möglich.

Gleichstrom - Nebenschlussmotor
Hier wird es etwas komplizierter, da auch die Erregerwicklung versorgt werden will. Im Regelfall findet sich hier eine MOSFET-Steuerung, die komplizierter ist und ein dreifaches, bei Richtungswechsel ohne Schütze ein fünffaches Leistungsteil beinhaltet.
Fehlerdiagnose mit einfachen Mitteln in der Regel möglich.

Drehstrom-Asynchronmotor
Die Königsdisziplin: Zwölffaches Leistungsteil, Mit doppelter Frequenzregelung (Impulsbreite für die Spannung, dazu Erzeugung des Drehfeldes).
Diagnose mit einfachen Mitteln nicht ohne weiteres möglich.

Kommt jetzt noch CAN - Bus Vernetzung hinzu, ist eine Fehlerdiagnose ohne Software Glückssache.

  nach oben
Fazit:                Nicht nur eine Modeerscheinung...
Was bleibt als Schlussfolgerung übrig ?

Wartungsfreie Motoren sind eine feine Sache.

Aber um welchen Preis?
Die Drehstromtechnik ist vor allem ein Verkaufsargument. So wie Joysticks bei der Hubsteuerung erkauft man sich einen Vorteil zu einem hohen Preis:
- Der Ausfall der Steuerung wird schnell zum teueren Sanierungsfall
- Für Hydraulik- und Servopumpen benötigt man anstelle eines billigen Schützes eine
komplette Elektronikeinheit
-Durch Vernetzung der Fahrsteuerung mit Anzeigegeräten und den - überflüssigen- Pumpensteuerungen schafft man ein derart komplexes System, dass Reparaturen nur durch den Hersteller oder Hochgerüstete Spezialisten möglich sind, zum entsprechenden Preis.

Und hier liegt die eigentliche Stärke der Entwicklungen der letzten Jahre:
Schaffung immer komplizierterer Systeme, bei denen der Ausfall eines eigentlich überflüssigen Teiles eine extrem teuere Reparatur zur folge hat. Dabei kann man von Reparatur im klassischen Sinn eigentlich nicht mehr sprechen, denn war vor Jahren noch eine elektronische Steuerung modular aufgebaut, wechselt man heute die komplette Einheit.

Wehe, wenn der Drehströmer stehenbleibt, und der Ersatz der Elektronik den Wert des Staplers schon nach wenigen Jahren übersteigt.

Schöne Aussichten...
nach oben